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Ausblick auf das Gedenkjahr 2021

Das Gedenkjahr 2021 steht im Zeichen des grausamen Vernichtungskrieges des nationalsozialistischen Deutschland in Ost- und Südosteuropa. Veranstaltungen plant der Volksbund darum in Russland, Lettland, der Ukraine und Griechenland, aber auch in Frankreich, den Niederlanden, Ungarn und Deutschland wird an die Kriegstoten dieses Krieges mit Zeremonien gedacht. Außerdem soll das neue Jugend-Format PEACE LINE mit Reiserouten durch Mitte- und Osteuropa endlich in ursprünglich geplanter Form an den Start gehen.

Zum historischen Hintergrund: Vor 80 Jahren griff das NS-Regime zunächst im Frühjahr Jugoslawien und Griechenland und im Sommer dann die Sowjetunion an. Einer rücksichtslosen Kriegsführung folgte ein hartes Besatzungsregime, das die Ressourcen der Länder und die Menschen durch Zwangsarbeit systematisch ausbeutete.

Die zynische Aushungerungsstrategie und die Blockade von Städten – über mehrere Jahre hinweg Leningrad etwa, das heutige St. Petersburg – zielten auf den Hungertod von Millionen von Zivilisten. Knapp drei der fünf Millionen sowjetischen Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft starben zudem an den Folgen von Lagerhaft unter unmenschlichen Bedingungen.

Widerstand wurde erbarmungslos unterdrückt. Vergeltungsmaßnahmen trafen dabei nicht nur Partisanengruppen, sondern oftmals auch völlig unbeteiligte Zivilisten. In Osteuropa, aber auch auf dem Balkan kam es vielfach zu Massakern und ganze Ortschaften wurden niedergebrannt. Im Zuge des deutschen Vormarsches weitete das NS-Regime die Verfolgung und Ermordung des europäischen Judentums und der Sinti und Roma aus –zunächst durch massenhafte Erschießungen an unzähligen Orten der Region, später dann in den Vernichtungslagern.

Mit der Wende im deutsch-sowjetischen Krieg schlug diese erbarmungslose Kriegsführung auf die Deutschen zurück: auf die Soldaten, aber auch auf die deutschsprachigen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa. In die Millionen gehen die Zahlen der Soldaten, die unter den verheerenden Umständen bei den Kämpfen oder in der Kriegsgefangenschaft bis weit nach Kriegsende starben, und der Zivilisten, die flüchten mussten, vertrieben wurden und ebenfalls in großer Zahl dabei umkamen.

Heute: offene Wunden, aber auch neue Beziehungen

Die Auswirkungen dieser Gewalterfahrung, die durch die europäische Spaltung und stalinistische Repression im Kalten Krieg auf Jahrzehnte weitgehend unterdrückt blieben, währen bis heute fort. Zugleich haben sich jedoch im Zuge der Öffnung nach 1989 wieder viele vertrauensvolle Beziehungen vor allem auf der zivilgesellschaftlichen Ebene entwickelt.

Gerade die wechselseitige Unterstützung bei der Kriegsgräberfürsorge war und ist hierbei ein wichtiges Feld der praktischen Zusammenarbeit und des gemeinsamen Gedenkens. Millionen von Kriegstoten waren auf beiden Seiten der früheren Kriegsgegner in verschiedenen Ländern zu bergen und identifizieren. Neue Kriegsgräberstätten galt es über weite Distanzen anzulegen und zu pflegen. Begegnungs- und Bildungsprojekte von Angehörigen und Jugendgruppen vertieften diese Verbindungen.

So jähren sich 2021 die historischen Daten dieses Krieges, aber auch die Einweihungstage der in den 1990er Jahren angelegten Kriegsgräberstätten des Volksbundes. Zudem informieren Ausstellungen vor Ort über die Geschichte der Gedenkorte und der Kriegstoten, deren ganz unterschiedliche Lebenswege dort endeten.

Übersicht Gedenkveranstaltungen

Deutschland: Im Gedenkkalender steht zunächst die Erinnerung an das Kriegsende. Rund um den 8. Mai sind in Berlin mit Partnernationen Kranzniederlegungen, Gedenkspaziergänge und ein Gottesdienst sowie eine Lesung und Filmvorführungen geplant. Bereits am 12. März findet auf der Usedomer Kriegsgräberstätte Golm das traditionelle Gedenken an die Toten der Bombardierung Swinemündes statt.

Griechenland

Am 23. Mai gedenkt der Volksbund mit der Deutschen Botschaft Athen sowie griechischen und internationalen Partnern auf der Kriegsgräberstätte Maleme der Opfer der deutschen Landung und anschließenden Besatzung der Insel Kreta und eröffnet dort eine neue Ausstellung. Je nach Pandemieentwicklung erinnert der Volksbund an diesem Tag vor Ort oder aber digital an die gewaltvolle Besatzungszeit der Insel und ihr Nachwirken bis heute.

Osteuropa

Um den 22. Juni, an dem sich der deutsche Überfall auf die Sowjetunion zum 80. Mal jährt, wird es in Russland eine Gedenkveranstaltung mit den russischen Partnern und einer PEACE LINE-Reisegruppe geben. Diese erinnerungskulturelle Jugendbegegnung macht sich von Russland aus auf den Weg über verschiedene geschichtsträchtige Stationen im Baltikum und Polen bis nach Berlin. Am 3. September gedenkt der Volksbund mit Partnern in Kiew der Toten der verlustreichen Kämpfe auf dem Gebiet der heutigen Ukraine und begeht den 25. Jahrestag der Eröffnung der dortigen Kriegsgräberstätte.

Lettland

Am 30. November wird der Schoah-Opfer des „Blutsonntags“ von Riga vor 80 Jahren gedacht. 1941 wurden an diesem Tag in und um Riga tausende Jüdinnen und Juden ermordet. Im Gedenkwald von Bikernieki eröffnet der Volksbund zugleich eine neue Dauerausstellung. Eine Reisegruppe der Mitgliedskommunen des Riga-Komitees und des Volksbundes erinnert gemeinsam mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde und der Stadt Riga an die Schoah-Toten.

Deutschland

Der Volksbund erinnert zudem an den einstigen Wohnorten der NS-Opfer: Bundesweit informiert eine neue Wanderausstellung über die Geschichte der vor allem aus Westfalen, Franken, Norddeutschland und Berlin nach Riga deportierten Jüdinnen und Juden. Im Herbst verlegt der Volksbund gemeinsam mit der Jugendgeschichtswerkstatt in Berlin-Spandau einen Stolperstein für Gertud Hanna, die sich als Gewerkschafterin und Landtagsabgeordnete im Volksbund engagiert hatte, bevor sie aus dem Verband vertrieben wurde und sich nach Gestapo-Verhören das Leben nahm.

Ungarn

Am 2. bzw. 8. Juni wird in Hajmasker und Pécs die 30-jährige Einweihung der Kriegsgräberstätten mit den ungarischen Partnern begangen. Am 4. und 7. Oktober finden zudem im Rahmen einer Reisegruppe Kranzniederlegungen auf den Kriegsgräberstätten in Veszprém und Sopron statt.

Westeuropa

Auch hier informieren neue Friedhofsausstellungen über die ganz unterschiedlichen Opfer- wie Tätergeschichten, die sich mit den Biographien der Toten auf den örtlichen Kriegsgräberstätten verbinden: Anfang Juni eröffnet die Jugendbegegnungsstätte im elsässischen Niederbronn ihre Ausstellung und Mitte September werden im niederländischen Ysselsteyn Ausstellung und Besucherzentrum der dortigen Jugendbegegnungsstätte eingeweiht.

Volkstrauertag

Bundesweit, aber auch auf vielen Kriegsgräberstätten im Ausland wird am 14. November der Volkstrauertag begangen. Die Zentrale Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages steht ebenfalls im Zeichen der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Mittelost- und Südosteuropa. U.a. werden junge Stimmen aus dieser Region das Gedenken mitgestalten.

01. Januar 2021
00:00 Uhr

Kontakt

Gedenkkultur und Bildung
030 2309 36 0
gedenken@volksbund.de

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