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Luftangriff auf Belgrad – Der deutsche Überfall auf Jugoslawien vor 80 Jahren

„Unternehmen Strafgericht“ war der Deckname für pausenlose Luftangriffe deutscher Sturzkampfbomber auf die jugoslawische Hauptstadt Belgrad am 6. und 7. April 1941. Zum 80. Jahrestag erinnert Prof. Dr. Michael Epkenhans, bis Ende März Leitender Wissenschaftler am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsam, an den Angriff, der Belgrad zu großen Teilen zerstörte. Mit ihm begann der Balkanfeldzug.

Tausende Bewohner – die Zahlen schwanken zwischen 1.500 und 17.000 – hatten ihr Leben verloren. Zeitgleich rückten 680.000 Soldaten in Jugoslawien, aber auch in Griechenland ein.

 Anlass für diesen Angriff ohne vorherige Kriegserklärung war die Weigerung der jugoslawischen Regierung, sich Hitlers Wünschen zu fügen.

Seit den Niederlagen Italiens in Griechenland 1940/41, das Hitlers Verbündeter als leichte Beute betrachtet hatte, ging aus Sicht des NS-Regimes an einer Sicherung der Südostflanke kein Weg vorbei. Nur wenn das Reich dort den Rücken „frei“ hatte, konnte der für das Frühjahr geplante „Blitzkrieg“ gegen die Sowjetunion erfolgreich sein.

Massenproteste und ein Putsch

Bereits nach dem Sieg über Frankreich hatte Hitler begonnen, die Balkanstaaten durch die Androhung von Gewalt gefügig zu machen: Rumänien war wegen seiner Ölfelder, aber auch als Aufmarschgebiet für den Überfall auf die Sowjetunion strategisch wichtig, Bulgarien brauchte das Reich als Aufmarschbasis für den Krieg gegen Griechenland. Jugoslawien hingegen erklärte sich am 25. März 1941 zwar bereit – wie die anderen Nachbarn –, dem Dreimächtepakt zwischen dem Deutschen Reich, Italien und Japan beizutreten, allerdings ohne die Klauseln über militärischen Beistand.

Der Beitritt zum Dreimächtepakt löste jedoch Massenproteste aus. Offiziere der jugoslawischen Luftwaffe stürzten die Regierung bereits zwei Tage später. Der bisherige Prinzregent Paul musste fliehen und der erst 17-jährige Peter II. bestieg den Thron. Die Hoffnung der Putschisten, einen deutschen Angriff vermeiden zu können, erfüllte sich nicht. Noch am selben Abend befahl Hitler das „Unternehmen Strafgericht“.

Furchtbare Folgen nach Kriegsende

Der Krieg in Jugoslawien endete bereits am 17. April. Nach der Einnahme der großen Städte des Landes hatte die neue Regierung bedingungslos kapituliert. Die Folgen waren furchtbar. Das Land wurde in zehn Teile mit unterschiedlichem rechtlichem Status aufgeteilt. Kroatien hatte sich zuvor für unabhängig erklärt. Unter Führung der faschistischen Ustascha entwickelte es sich zu einem Vasallenstaat Berlins und Roms. Hunderttausende Serben wurden zur Zwangsarbeit ins Reich deportiert. Zugleich plünderte die Wehrmacht das Land für den eigenen Kriegseinsatz.

Die Kapitulation der jugoslawischen Armee bedeutete aber nicht das Ende der Kämpfe. Partisanen – viele bald unter Führung des späteren kommunistischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito – setzten den Kampf gegen die Invasoren mit Angriffen gegen Wehrmachtsangehörige oder Sabotageaktionen fort. Die Besatzer reagierten brutal.

Ab September 1941 ging der neue Befehlshaber, General Franz Böhme, gezielt gegen die rund 17.000 Juden, aber auch gegen die im Land lebenden Roma vor. Für jeden getöteten Wehrmachtssoldaten ließ er 100 Zivilisten erschießen. Tausende Juden und Roma starben bei derartigen „Sühnemaßnahmen“ wie in Topola oder Valjevo. Die überlebenden Frauen, Kinder und Männer wurden entweder erschossen oder in eigens herbeigeschafften Gaswagen ermordet. Im Mai 1942 meldete der zuständige Befehlshaber der Sicherheitspolizei stolz nach Berlin: „Serbien ist judenfrei!“

Rolle der Wehrmacht nicht vergessen

Die Grundlagen dafür hatte die Wehrmacht mit dem Überfall auf Jugoslawien Anfang April 1941, vor 80 Jahren, gelegt. Einige der Verantwortlichen wurden nach dem Krieg vor Gericht gestellt und hingerichtet; andere traten später in die Bundeswehr ein und machten dort Karriere. „Geiselerschießungen“, so die Auffassung späterer Gerichte, seien weder Kriegsverbrechen im völkerrechtlichen Sinne gewesen, noch seien sie aus „niedrigen Beweggründen“ erfolgt.

Nach dem, was wir heute wissen, ist das Verhalten der Wehrmacht anders zu beurteilen. Umso wichtiger scheint es, an ihre aktive Rolle im verbrecherischen Rasse- und Vernichtungskrieg in weiten Teilen Europas zu erinnern.

Text: Prof. Dr. Michael Epkenhans

Zur Person

Prof. Dr. Michael Epkenhans

Prof. Dr. Michael Epkenhans war ab 2016 Geschäftsführender Beamter und Stellvertreter des Kommandeurs im Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Ende März 2021 ist er in den Ruhestand gegangen.

Seine thematischen Schwerpunkte sind Militärsoziologie und -ethik, Konflikttransformation und Gewaltüberwindung, Militärseelsorge, Sicherheit und Friedensforschung, Soldatisches Selbstverständnis und Soldatenbilder.

Monographien, Editionen und Sammelbände (Auswahl):

Die Wehrmacht – Krieg und Verbrechen. Gemeinsam mit John Zimmermann, Stuttgart: Reclam 2019 (Kriege der Moderne)

"Geheimdienst und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Die Aufzeichnungen von Oberst Walter Nicolai 1914 bis 1918". Gemeinsam hrsg. mit Gerhard P. Groß, Markus Pöhlmann und Christian Stachelbeck, Paderborn 2019 (= Zeitalter der Weltkriege, Bd. 18)

Der Erste Weltkrieg 1914-1918, Paderborn u.a. 2015

Militärische Reformer in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert (hrsg. zus. mit Hans Ehlert), Potsdam 2007 (= Potsdamer Schriften zur Militärgeschichte, Bd. 2)

Preußen. Aufstieg und Fall einer Großmacht (zus. mit Gerhard P. Groß und Burkhard Köster, Stuttgart 2011

Militärische Erinnerungskultur. Soldaten im Spiegel von Biographien, Memoiren und Selbstzeugnissen (hrsg. zus. mit Stig Förster und Karen Hagemann), Paderborn 2006 (= Krieg in der Geschichte, Bd. 29)

Die Suche nach Orientierung in deutschen Streitkräften 1871 bis 1990, (hrsg. zus. mit Hans Ehlert), Potsdam 2006 (= Potsdamer Schriften zur Militärgeschichte, Bd. 1)

07. April 2021
00:00 Uhr

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