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Gedenken in Weißensee an Jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg

15. November 2020
Berlin-Weißensee, Jüdischer Friedhof

Sie haben gekämpft und doppelt verloren: deutsche Soldaten jüdischen Glaubens im Ersten Weltkrieg. Sie hatten gehofft, dass sie durch ihren mutigen Einsatz im Kampf auch den Kampf gegen die Vorurteile und den Antisemitismus gewinnen. Das hat sich nicht bewahrheitet, Tausende deutscher Soldaten jüdischen Glaubens verloren ihr Leben.

Das Gedenken an diese Gefallenen auf dem Friedhof Weißensee am frühen Sonntagmorgen des Volkstrauertages ist ein fester Programmpunkt für den Präsidenten des Volksbundes, Wolfgang Schneiderhan. Dabei folgt er der Einladung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Dies war auch am gestern so, auch wenn wegen der Pandemie die Gedenkveranstaltung nur in kleinem Rahmen und unter strengen Auflagen durchgeführt werden konnte.

In Weißensee liegt der größte jüdische Militärfriedhof außerhalb Israels

Der Jüdische Friedhof in Weißensee ist der größte jüdische Friedhof Europas und gleichzeitig der größte jüdische Militärfriedhof außerhalb Israels. Es ist schon eine besondere Stimmung, wenn die Ruhe des großen, fast verwunschen wirkenden Friedhofes am frühen Sonntagmorgen von einer Wagenkolonne unterbrochen wird. Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Militär, Zivilgesellschaft, der Jüdischen Gemeinde und der Israelitischen Synagogen-Gemeinde zu Berlin versammelten sich zur Kranzniederlegung am Ehrenmal für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Oberst Christian von Blumröder, Landeskommando Berlin sprach die einführenden Worte: „Vor uns liegen die Gräber deutscher Soldaten jüdischen Glaubens, die in der Menschen- und Materialschlacht des Ersten Weltkrieges den Tod fanden. (…) Ich frage mich, wie entsetzlich es für die Mütter, Väter, Geschwister und Kinder dieser im Kampf für Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten gewesen sein muss, 15 Jahre nach Kriegsende in eben diesem Deutschland Opfer von Verfolgung, Vertreibung, Folter und Vernichtung zu werden. Als deutscher Soldat empfinde ich tiefe Scham, dass Deutsche – auch Soldaten – damals wehrlose jüdische Mitbürger gezielt und grausam ermordet haben…“

Vermählung des deutschen und jüdischen Geist war eine Illusion

Markus Grübel, MdB und Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit zitierte Leo Baeck, der als Feldrabbiner im Ersten Weltkrieg gedient hatte: „Unser Glaube war es, dass deutscher und jüdischer Geist auf deutschem Boden sich treffen und durch ihre Vermählung zum Segen werden könnten. Dies war eine Illusion.“ Noch während des Krieges, 1916 wollte das Kriegsministerium durch die sog. „Judenzählung“ den Deutschen jüdischen Glaubens „Drückebergerei“ und „Feigheit“ unterstellen. Als das Ergebnis der Zählung der antisemitischen Absicht komplett widersprach, wurden die Zahlen nicht wissenschaftlich korrekt veröffentlicht, sondern ehrverletzend und antisemitisch verfälscht. Auch die erkämpften Orden schützten die deutschen Juden nicht. „Dass die Nazis ihre deutschen Ehrenzeichen nicht respektierten, das war für jüdische Patrioten unbegreiflich. Das sollte deutsch sein?“, so Grübel. Auf Hass und Diskriminierung folgte Boykott, Verfolgung und Ermordung. Leo Baeck hatte Recht behalten.

Es zeigt auch, dass der Krieg nicht vereint, weder die Völker noch die Menschen. Auch diese Erkenntnis spielt beim Volkstrauertag eine Rolle. Hier, auf dem jüdischen Friedhof, wird das Dilemma in besonderem Maße deutlich. Markus Grübel beendete seine Ansprache mit den Worten, dass den Verstorbenen das Gedenken gelte, und fuhr fort: „Den Lebenden gilt unsere Entschlossenheit, das jüdische Leben in Deutschland zu achten und zu stärken.“

Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan hatte das Andenken an die jüdischen Soldaten im Ersten Weltkrieg erst kürzlich - am Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November - in den Fokus genommen.

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