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Gedenkveranstaltungen und Paneldiskussion - 80 Jahre Gedenken an die Angriffe auf Kreta

20. Mai 2021
Maleme/Kreta, Kriegsgräberstätte

80 Jahre Invasion auf Kreta: Gedenken auf deutscher Kriegsgräberstätte Maleme mit internationaler Beteiligung

Vor 80 Jahren fand mit der Schlacht um Kreta die wohl spektakulärste Luftlandeoperation des Zweiten Weltkrieges statt – und eine ungemein verlustreiche dazu. Bei der „Operation Merkur“ ab 20. Mai 1941 starben mehr als 3.000 deutsche Fallschirmjäger, viele von ihnen am ersten Tag. 80 Jahre später gedenken Griechen und ihre ehemaligen Verbündeten aus Großbritannien, Australien und Neuseeland der Opfer von Krieg und Gewalt. Aber auch Deutsche sind nach Kreta gekommen, um an die Tage des Angriffs und der Besatzung zu erinnern, darunter eine kleine Delegation des Volksbundes. Den Auftakt machte eine digitale Paneldiskussion aus der Reihe „Erinnerungskulturen im Gespräch“ – live gestreamt aus der Orthodoxen Akademie Kreta.

Paneldiskussion „Vor 80 Jahren – der Kriegstoten auf Kreta gedenken“

„Jedes Dorf hat eine Gedenkstätte“, hat Vicky Arvelaki, Dokumentarfilmerin beobachtet. „Die Menschen hier blicken zurück. Es fällt ihnen schwer, nach vorne zu schauen.“

Dr. Corinna Kuhr-Korolev, Historikerin vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschungen in Potsdam wertete dies als wichtigen Hinweis auf die Fragen, warum sich Griechen und Deutsche auch 80 Jahre nach dem Krieg mit Unverständnis begegnen. Kuhr-Korolev moderierte die dreisprachig geführte und übersetzte Diskussion. Sie ist auch Kuratorin der neuen Dauerausstellung des Volksbundes auf der Kriegsgräberstätte Maleme.

Die Historikerin Dr. Anna Maria Droumpouki, die aus Berlin vom Selma-Stern-Zentrum zugeschaltet war, erinnerte an die Debatte um die Ratifizierung des Kriegsgräberabkommens 1962 in Athen. Außenminister Evangelos Averoff habe betont, dass die überwältigende Mehrheit der Griechen keinerlei Hass mehr gegenüber den Deutschen hege. Dies sei auf Kreta allerdings sehr kritisch gesehen worden. Dieses konfliktbeladene Klima sei Jahr für Jahr bei der Gedenkzeremonie im Mai auf Kreta noch zu spüren.

Loretana de Libero, Professorin der Führungsakademie der Bundeswehr kam zu dem Schluss: „Die Nachkriegsgeneration verdrängte das, versuchte zu vergessen, was im Krieg geschehen war und was sie selbst getan hatte.“ Und sie bezog sich mit ihren Betrachtungen auf Dr. Alexandros K. Papaderos, den früheren Gründungsdirektor der Orthodoxen Akademie, der als Jugendlicher für den Widerstand Kurierdienste übernommen hatte und mit seiner Familie inhaftiert worden war. Dennoch war er nach dem Krieg einer der entscheidenden Wegbereiter für eine Wiederannäherung auf der Insel und den Bau der deutschen Kriegsgräberstätte Maleme.

Michael Havas, Dokumentarfilmer aus Prag, hat sich viel mit den Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, beschäftigt. Auch auf Kreta kämpfte 1941 eine Maori-Einheit. Havas besuchte Jahrzehnte nach dem Krieg mit Überlebenden Friedhöfe auf der Insel. Die Maori-Veteranen seien deutschen Besuchern dort offen und freundlich begegnet, daraus hätten sich viele vertrauliche Gespräche ergeben.

Dirk Backen, Generalsekretär des Volksbundes, sagte, es erfülle ihn „mit Dankbarkeit“, dass schon wenige Jahre nach dem Krieg einzelne Persönlichkeiten auf Kreta den Deutschen mit großzügigen Gesten der Versöhnung begegnet seien. Dies habe den Weg für unser heutiges Miteinander geebnet.

Auch der deutsche Botschafter Dr. Ernst Reichel – zugeschaltet aus Athen – betonte den Wert dieser frühen Annäherungsschritte, die zu einer politisch, wirtschaftlich aber auch zwischenmenschlich eng verbundenen Partnerschaft zwischen den Ländern heute und gerade auch auf dieser Insel geführt hätten. Gleichwohl betonte der Diplomat, dass dieses Verhältnis nur im Bewusstsein der ambivalenten Vergangenheit glücken könne.

Gerasimos Bekas, Generalsekretär des jüngst gegründeten Deutsch-Griechischen Jugendwerks auf Kreta, betonte, dass es besonders darauf ankomme, Jugendliche zu ermutigen, sich auf diese Weise mit Geschichte auseinanderzusetzen.

Auch der Volksbund habe auf diese Debatten in der Gesellschaft reagiert: In der neuen Dauerausstellung in Maleme, die multiperspektivisch und dreisprachig sein wird, kämen künftig alle zu Wort – „auch die Opfer!“ So könnten Besucherinnen und Besucher deutlich stärker Anteil nehmen am Schicksal der Menschen.

Weißes Denkmal für griechische Kadetten

Am Donnerstag dieser Gedenkwoche auf Kreta erinnerten rund 50 Griechen, Briten, Australier, Neuseeländer und eine Delegation des Volksbundes mit Professor Loretana de Libero aus dem Bundesvorstand hoch oben über dem Kloster von Kolymbari, der Monastiri Gonia, am Weißen Denkmal für die griechischen Kadetten an die Opfer des deutschen Angriffs.

Nach einer Zeremonie von Vertretern der Orthodoxen Kirche erinnerte Nikolaos Yannopoulos, Kommandeur der 5. Infanterie-Brigade, an die gefallenen Kameraden. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Platanias, in der auch der deutsche Soldatenfriedhof Maleme liegt, gedachte der getöteten Kadetten.

Nach dem britischen „God Save The Queen“ und den Nationalhymnen Neuseelands und Australiens intonierte das Armeemusikkorps das griechische „Ymnos is tin Eleftherian“ („Hymne an die Freiheit“), Politiker und andere Vertreter der Zivilgesellschaft sangen lautstark mit.

Gedenken am Mahnmal „42nd Street“

Am Freitag, dem 21. Mai 2021, gedachten der neuseeländische Botschafter Anthony Simpson und sein australischer Kollege Alex Bush am Mahnmal an der „42nd Street“ der Opfer.  Simpson erinnerte an das Bild des Morgens vom 20. Mai 1941, als die Neuseeländer beim Frühstück die Silhouetten Hunderte deutscher Fallschirmjäger am Himmel sahen. Daran hätten sich zwölf Tage fürchterlicher Kämpfe angeschlossen. 671 Neuseeländer hätten auf Kreta den Tod gefunden, unter ihnen auch Maori, die Ureinwohner Neuseelands. Und in ihrer Sprache schloss der Botschafter seine Rede: „Ka maumahara tont tatou kia ratou – we will remember them.“

Am Abend schloss sich das australische Gedenken am ANZAC-Mahnmal in Galatas nahe Chania an.

Gedenken in Souda Bay

Die Botschafter der sieben alliierten Staaten, die auf Kreta gemeinsam gekämpft hatten, legten am 22. Mai 2021 Kränze auf dem Friedhof in der Bucht von Souda nieder. Neben dem Botschafter Großbritanniens waren auch die diplomatischen Vertreter Kanadas, Australiens, Neuseelands, Indiens, Südafrikas und Griechenlands gekommen.

Der Deutsche Botschafter in Athen, Dr. Ernst Reichel, Professorin Loretana de Libero für den Volksbund sowie eine Delegation des Bundes Deutscher Fallschirmjäger legten ebenfalls Kränze nieder. Als Ehrengast war der mittlerweile 103-Jährige griechische General Koka anwesend, der als junger Mann auf Kreta gegen die deutschen Angreifer gekämpft hatte. 

Gedenken auf dem Soldatenfriedhof Maleme

Am 23. Mai 2021 sprach der Deutsche Botschafter in Athen, Dr. Ernst Reichel, mit Blick auf die Gäste aus Großbritannien, Kanada, Neuseeland, Australien und vor allem Griechenland über den „Angriffskrieg der Deutschen“ und die auf die Invasion folgenden Kriegsverbrechen an der kretischen Bevölkerung. Reichel betonte die Notwendigkeiten solcher Erinnerungstage und -orte, wie der deutsche Soldatenfriedhof Maleme einer ist: „An Orten wie diesen spüren wir die Widersinnigkeit des Krieges und ungezügelter Gewalt.“ (die Rede in voller Länge finden Sie hier).

Zuvor richtete Pastor i.R. Helmut Schwalbe von der evangelischen Kirchengemeinde seinen Blick auch auf das Pfingstfest, an dem Menschen aus verschiedenen Orten mit einer Sprache sprechen würden. Er rief dazu auf, sich so gut zu verstehen, „dass es solche Schlachten wie auf Kreta nie wieder gibt.“

Im Anschluss legten die Botschafter Großbritanniens, Kanadas, Neuseelands, Australiens und Deutschlands Kränze nieder. Dasselbe taten auch Abgeordnete des hellenischen Parlaments und Vertreter der Städte und Regionen Kretas, der griechischen Streitkräfte, des Bundes Deutscher Fallschirmjäger und des Volksbundes.
 

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